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Debatte um Normalität: Als Klumpen sind wir stark?

Individuell sein und sich zugleich in der Masse verstecken?

Individuell sein und sich zugleich in der Masse verstecken?

Nicht alles, was sexuell ist, bedeutet, entweder homosexuell oder heterosexuell zu sein. Ich denke, dies ist der größte Irrtum der Menschen, die nun alles daran setzen, ihre Heterosexualität zu verteidigen – obgleich es da gar nichts zu verteidigen gibt.

Der Tagesspiegel-Autor Jost Müller-Neuhof schreibt:

In der Sexualität gibt es kein „Wir“. Es gibt das Heer der Heteros und es gibt Lesben, Schwule, Bi-, Trans- und Intersexuelle und alles mögliche dazwischen.

In der Sexualität gibt es kein „WIR“ – und andere Denkfehler

Ich bestreite, dass es in der Sexualität kein „Wir“ gibt. Gäbe es tatsächlich kein „Wir“, so gäbe es keine Beziehung zwischen Frauen und Männern. Das „Wir“ muss – wie nahezu jeder weiß, der verheiratet ist, erst einmal gemeinsam erkämpft werden.

Wenn es in der Ehe möglich ist, ein „Wir“ durch die Akzeptanz des Andersseins zu erreichen, dann sollte es ja wohl möglich sein, das „Wir“ auch noch zwischen Heterosexuellen, Bisexuellen und Homosexuellen zu erzielen. Der Weg dahin führt über die Erziehung: Wer seinen Körper mit der Sexualität, die in ihm steckt, akzeptiert, wer keine Berührungsängste hat und wer seine Sexualität erkennt und liebt, der wird von selbst sensibler für erotische Belange.

Toleranz hat man, wenn man sie lebt – und da hat verwundert ein Satz im Tagesspiegel-Artikel, der sogleich folgt:

Es gibt das Schattenreich der Perversionen, die heute Paraphilien heißen und als psychische Störung gelten.

Allein die Wortwahl lässt Rückschlüsse zu: Hienieden leben in Gottes Schöpfung offenbar Menschen im Paradies des Lichtes, und dort befindet sich das dämonische Schattenreich, in dem der Teufel herrscht. In diesem Schattenreich, so wird suggeriert, agieren die Perversen, die man nur netterweise heute Paraphile nennt. Ja, und dieses sind „psychische Störungen“, was in der Bevölkerung den Eindruck erweckt: „Die gehören in die Psychiatrie“.

Es es gibt sie, die Schattenreiche – und einige von ihnen sind behandlungsbedürftig, andere verstoßen eklatant gegen die Menschenrechte, und man ist deshalb übereingekommen, sie ganz generell zu ächten oder zu bestrafen. Aber nicht jede sexuelle Abweichung – und damit beschäftigt sich ja der Tagesspiegel-Autor – ist Paraphilie. Mit anderen Worten: Es gibt mehr auslebbare, sinnliche und äußerst lustvolle Formen der Sexualität, die innerhalb der Heterosexualität existieren – und sie sind weder krankhaft, noch sind sie behandlungsbedürftig. Ihr Schlüsselwort heißt: Lust.

Der Drang zu den Bulten: in der Masse fühlen sich alle sicher

Mir scheint, dass viele Menschen sich schnell einer geschlossenen Gruppe zuordnen, also „Heterosexuelle“ zu sein oder „Homosexuelle“, weil sie sich davor fürchten, einfach „anders zu sein“. Das trifft ja nun wahrlich nicht nur auf die Sexualität zu: Immer wieder verklumpen sich Menschen zu „Bulten“, weil sie sich dort sicher fühlen, die „Möglichkeit des Andersseins“ wird kaum wahrgenommen. Jeder versucht mittlerweile, etwas Besonderes innerhalb der Normalität zu sein – was letztlich nur dazu führt, dass alle langweilig und arrogant werden.

Wenn wir die Möglichkeit des Andersseins annehmen, so würden uns ganz neue Horizonte eröffnet. Einer wäre sicherlich, nicht ständig Gegensätze zu konstruieren und schwarze und weiße Schafe streng zu separieren.

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