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Ist die Wissenschaft für die Partnersuche wirklich nichts wert?

Erkenntnisse gefällig?

Erkenntnisse gefällig?

Hin und wieder werde ich gefragt: „Sie mäkeln doch ständig an der Wissenschaft herum. Ist sie Ihnen denn gar nichts Wert? Sind sie vielleicht nur ein eitler Schwätzer, der sich in seiner Meinung sonnt?“

Dazu muss ich Ihnen zunächst sagen: Ich lebe mit den Realitäten des Lebens wie Sie alle, und ich vertraue auf die Dinge, die man in der Wissenschaft sehen und messen kann. Darüber hinaus beschäftige ich mit mit Wahrscheinlichkeiten, Kommunikation, Statistiken, der Kybernetik und der Problemanalyse.

Wenn allerdings in der Presse von wissenschaftlichen Erkenntnissen über die Liebe, die Lust, die Erotik oder die Partnersuche geschrieben wird, dann lesen wie von Facetten der Erkenntnisse, die wir so gar nicht verwenden können.

Journalismus als Träger von irreführenden Informationen

Gerade minderbegabte Intellektuelle neigen dazu, sich mit „Erkenntnissen“ der Wissenschaft zu schmücken, mögen dies uralt, brandneu, gesichert, verwaschen oder gar völlig aus dem Hut gezaubert sein.

Wer beispielsweise darüber diskutiert, inwieweit Frauen und Männer unterschiedlich denken und handeln, wird ständig mit einem Mix aus Erfahrungswissen, Zeitgeist und Wissenschaft konfrontiert, dem keinerlei Maßstäbe mehr zugrunde liegen. Jeder kann dazu meinen, was er will, und insbesondere manche Wissenschaften befeuern ständig die Illusion, wir seinen durch die „Evolution“ so geprägt, dass wir völlig unterschiedlich denken und handeln würden. Die Presse, die gerne den Unterschied zwischen Frauen und Männern herausstellt, wird dabei zur Hure der Wissenschaft.

Keine „wahreren“ Informationen durch das Internetzeitalter

Im Internetzeitalter werden die Wahrheiten keinesfalls, wie erhofft, deutlicher und schärfer, sondern sie verschwinden im Rauschen eines unendlichen Geschwätzes und verhakeln sich in den unterschiedlichen wissenschaftlichen Disziplinen, die sich alles das Recht nehmen, über die Liebe oder die Partnersuche zu forschen.

Wie sich Wissenschaftler „künstlich“ interessant machen

Die angeblich „modernde“ Wissenschaft machte sich in den letzten Jahren dadurch interessant, dass sie tatsächlich moderne Techniken einsetzen, um alte Forschungsvorhaben wieder aufzuwärmen. Doch das „Moderne“ daran waren nur die Apparaturen. Hatte man früher Studenten Fotos vorgelegt und sie dann ankreuzen lassen, was sie dazu empfinden, so nutzt man jetzt Apparate, die die Augenbewegungen messen können oder versucht, die Ergebnisse sogleich aus ihren Gehirne (mithilfe bildgebender Methoden) zu lesen. Das Ganze wirkt dann unglaublich eindrucksvoll, ist aber in der Praxis kaum etwas wert.

Die Nachrichtenverarbeitung im Gehirn – nicht einmal angedacht

Liest man ernsthafte wissenschaftliche Berichte über das Gehirn, und hat man ein Basiswissen darüber, wie Nachrichten verarbeitet werden, so sieht man diese Forschungsergebnisse völlig anders. Es sind immer noch Studenten, also eine besondere Gruppe von Menschen, es ist immer noch nicht die aktuelle Situation, sondern eine reichlich abstrakte Laborsituation, in der die Studenten Gefühle zeigen sollen, und es sind nach wie vor „tote“ Fotos und keine Menschen in Bewegung, die sie ansehen. Letztendlich bringen auch die bildgebenden Verfahren keine Aufschlüsse darüber, was Menschen in tatsächlichen Situationen denken und fühlen werden. Ja, man kann mit Fug und Recht behaupten, dass all diese Verfahren nicht das Geringste mit den tatsächlichen Denkprozessen zu tun haben, die ja parallel zu den Gefühlen verlaufen und in ständiger gegenseitiger Beeinflussung stehen.

Partygeschwätz als Folge von Fehlinformationen

Was übrig bleibt, ist das übliche Partygeschwätz. Jüngst haben Wissenschaftler angeblich dies, angeblich jenes festgestellt – nur weiß der übliche Partybesucher nicht, was dies tatsächlich bedeutet. Eine „durchgreifende“, wirklich sensationelle Erkenntnis über das menschliche Verhalten existiert sein langem nicht mehr, und selbst Paul Watzlawick s „Menschliche Kommunikation“, jetzt schon ein paar Jahrzehnte alt, ist nicht im Hirn des Durchschnittsbürgers angekommen. Der Durchschnittsbürger redet immer noch von „verbaler und nonverbaler Kommunikation“, weiß aber nicht, wie Kommunikation wirkt. Solange wir noch auf diesem Stand sind, kann er auch die angeblichen „Forschungsergebnisse“ bei der Partnersuche nicht einordnen.

Um die Frage zu beantworten, ob die Wissenschaft für die Partnersuche etwas wert ist: Gegenwärtig ist die Antwort „Nein“. Das liegt nicht ausschließlich an der Wissenschaft, sondern auch unserem westlichen, individuellen und freiheitlichen Selbstverständnis von der Partnersuche. Mit einem Satz: Wir tun ohnehin nicht, was die Forscher feststellen, und wenn sie angeblich feststellen, was wir tun, haben wir längst andere Verhaltensweisen entwickelt. Im Grunde stört das niemanden.

Bild: Bearbeitung der Sci-Fi-Darstellung eines Groschenheftes.

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