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Online Dating ist Partnersuche – und nicht eine bestimmte Partnersuche

Noch ist sie für viele Menschen offen, die Schere zwischen seriösem „Dating“ und der Gier nach der Lust. Ob dies heute noch so ist oder immer schon so war, steht ohnehin in Zweifel – es ist eher eine Behauptung der Werbung. Die „ganz gewöhnliche Partnersuche“ wird in der Jugend und unter den älteren, unbefangenen, offenen Menschen eher locker gesehen: „Mal abwarten, wer sich findet.“

Alternativlos Lust oder Liebe suchen?

Indessen wird Ihnen suggeriert, es gäbe Dating-Börsen für den „schnellen Sex“ und solche für „langfristige Beziehungen“. Erstaunlicherweise fehlt „für eine erfüllte Liebe“, aber das nur nebenbei.

In der Praxis ist das freilich ein wenig anders: Es gibt sie zwar, die reinen Sex-Börsen, die sich teils auch als Flirtbörsen oder Casual Dating tarnen. Wenn sie sich nicht an ein spezielles Publikum wenden (z. B. Fetisch-Leute oder BDSM-Anhänger) sind sie in der Regel Schaubuden, auf deren Parade ein paar Frauen mit nackten Brüsten gezeigt werden. Die Ausrichtung auf Männer ist meist eindeutig. Ja, ich verkenne nicht, dass es Ausnahmen gibt –also Datingapps oder gar Casual Dating-Börsen, auf denen tatsächlich schicke Sex-Beziehungen entstehen, also Affären und ONS, die sich wirklich lohnen. Aber verlassen Sie sich darauf: Das ist nicht die Regel.

Supermarkt Singlebörse – alles für alle

Längst hat sich die „allgemeine“ Singlebörse zum Supermarkt für „alle Arten von Liebe“ gemausert – oder in Abwandlung von Cole Porter: „Alles außer wahrer Liebe – und sogar wahre Liebe.“ Das heißt: Auf gewöhnlichen Singlebörsen ist das Angebot wieder so, wie es im „wirklichen Leben“ auch ist: „Du weißt nicht genau, was der andere gerade beabsichtigt, aber du kannst ja mal gucken, worauf er hinaus will“.

Ich weiß, dass diese viele Partnersuchende, insbesondere aber viele Frauen unter ihnen verärgert. Sollte ich darüber in Tränen ausbrechen?

Nein, natürlich nicht. Denn die Frauen, die so denken, glauben fälschlich, sie würden bei der Partnersuche eine Qualitätsgarantie für kernige, gestandene, potente, familienfreundliche und heiratswillige Männer bekommen. Das ist höchst albern, denn der Dating-Markt funktioniert wie manche Kaufhäuser: Innerhalb desselben Gebäudes werden Edelklamotten, alltagstaugliche Konfektion und – meist im Untergeschoss – Ramschprodukte verkauft. Die klugen Kerlchen in diesen Kaufhäusern haben übrigens längst herausgefunden, dass man zwar kaum von der Konfektion zum Ramsch überleiten kann, wohl aber von der Konfektion zur Edelklamotte – und umgekehrt.

Bezogen auf Singlebörsen: Die meisten „gewöhnlichen“ Singlebörsen führen alles von allem. Es gibt dort Mitglieder, die sich mit Lust und Freude verramschen, solche, die im üblichen „Mainstream“ von „weiß nicht so genau, mal sehen“ bewegen und diejenigen, die Luxusbedürfnisse haben.

Man kann auch sagen: solche, die wegen der Lust dort sind, solche, für die Lust eine Option ist und solche, die ganz bewusst einen Partner mit Ehe-, Beziehungs- oder Familiensinn suchen. Die Übergänge sind gelegentlich fließend.

Die „strikte“ Trennung zwischen Casual Dating und gewöhnlichen Singlebörsen ist ein Mythos. Im Grunde war es schon immer so, aber seit immer mehr Mainstream-Frauen entdeckt haben, dass „frau“ sich Lust „einfach holen“ kann, ist die Vermischung von Lustsuche und Partnersuche üblicher geworden.

Lust ist legitim und nicht auf eine bestimmte Plattform beschränkt

Wenn Sie denken, nun kommt der Satz „Ja, wenn Sie ernsthaft suchen, dann müssen Sie …“ dann irren Sie. Jede Suche kann eine ernsthafte Suche sein, und die Online-Partervermittler, an die Sie jetzt vermutlich denken, haben nur mehr Hürden für Lust-Enthusiasten eingebaut. Man muss sich beispielsweise erst einmal mit der Machete durch das Psycho-Gestrüpp schlagen, dann kräftig löhnen und schließlich den Versprechen vom „passenden“ Partner Glauben schenken.

Ob dies alles nützt? Ich will so dezent wir möglich widersprechen. Als es noch wesentlich teurer und aufwendiger war, Partner zu suchen (ab 100 Euro pro aussagefähiges Inserat, oder ab 2.000 Euro bei den damaligen Partnervermittlern) gab es sie auch schon, die männlichen Filous und die sehnsuchtsvollen, heimlich agierenden Frauen. Bei den Frauen war es oft die reine Lust, die sie sich „einfach mal gönnen wollten“. Dies war in ihren Kleinstädten als Ärztin, Lehrerin oder Abgeordnete viel zu gefährlich – also reisten sie zwecks Lusterfüllung in die nächste Großstadt. Und sie legten Wert auf Stil: einfach nur Sex, aber bitte niveauvoll.

Es gibt keinen Grund, anzunehmen, dass die heute wesentlich anders ist. Partnersuche beinhaltet immer die Möglichkeit, Lust zu empfinden und sich diese Lust auch zu erfüllen – oder es eben bewusst nicht zu tun. Und falls sich Frau oder Herr „Edelgesinnung“ verlieben, sind die Klamotten ohnehin bald vom Körper geschält – was ja nicht unbedingt schädlich ist, nicht wahr?

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