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Oh, und dann war da noch der Mindset für Paare

„Mandy make up your mind“ war ein bekannter Fletscher-Henderson-Titel, und das heißt ungefähr so viel wie “Mandy, entscheide dich (endlich)!“ So viel also zum „Mind“, ein Wort, das im englischen für alles steht, was weitläufig mit der Psyche zu tun hat.

Ich greife es auf, weil da gerade jemand das Wort „Mindset“ für etwas höchst menschliches, nämlich für Liebes-und Paarbeziehungen zu Bildschirm gebracht hat.

„Mindset“ ist ein Kunstwort. Eigentlich ist die sogenannte „Mentalität“ damit gemeint, falls es so etwas überhaupt gibt. Ein „Set“ ist die Summe der notwendigen Bausteine. Die Leute, die das „Mindset“ ständig im Munde führen, unterstellen, dass der Mensch einerseits fest gefügte Eigenschaften hat, dann sagen sie „fixed mindset“ und meinen damit „starre Eigenschaften“. Sie bilden dazu eine Alternative, die unterstellt, man könne diese Eigenschaften auch „wachsen lassen und zur Blüte treiben“. Das heißt kaum mehr, als dass man andererseits auch lernen kann, seine Eigenschaften zu verbessern. Dann sagen die Befürworter der Theorie, es handele sich um ein „growth mindset“. Das ist im Grunde schon alles.

„Und darum machen die Leute so einen Aufstand?“, könnte man fragen. Denn die meisten intelligenten, offeneren und flexiblen Menschen zweifeln nicht daran, dass sie ihre Fähigkeiten ausbauen können. Sie haben nur nicht ein so tolles Wort dafür.

Alternativen sind Ausschlüsse – darin steckt ein rhetorischer Trick

Zudem – und hier kann ich Ihnen vielleicht etwas auf die Sprünge helfen: Alle Theorien, die nur ein Entweder-oder kennen, tragen den Kardinalfehler der Manipulation in sich. Wenn Sie also jemand fragt: „Wollen Sie dies oder das“, sagen Sie am Besten: “Ich will gar nichts von beiden, sondern meinen eigenen Weg gehen.” Das könnten Sie in diesem Fall durchaus.

Sollten wir nun auf den jungen Mann hören, der da schreibt? Hören wir mal, was er zu sagen hat:

«„Schatz akzeptiere mich bitte so, wie ich bin. Ich kann mich nicht ändern, ich will mich nicht ändern.“ Das wäre ein extremes Beispiel für ein fixed mindset. Wer das sagt, signalisiert deutlich: Ich bin, wie ich bin, du bist, wie du bist – und daran werden wir in diesem Leben nichts mehr ändern. »

An diesem Satz ist manches richtig – bis auf die Grundlage. Denn bei der Partnerwahl ist eines unumgänglich: Wenn Sie ihren Partner nicht von Grund auf akzeptieren und die dazu nötigen Kompromisse schließen, haben Sie schon verloren.
Ich erweitere das mal: Wer einen Partner heiratet, um ihn zu verändern, ist nicht nur ein Verlierer, sondern auch psychisch nicht ganz koscher. Und die Aussage „Ich bin ich und Du bist du!“ (auch: ich bin OK und du bist OK“) steht allemal gegen Veränderungswünsche. Soweit die Psychologie (nach Perls).

Zwischenbilanz: Das Zusammenleben von Paaren ändert sich mit den Jahren – war da noch was?

Ich halte mal fest: Klar verändern wir uns im Leben und ganz sicher verändert sich auch die Beziehung der Liebenden untereinander im Laufe ihres Lebens. Und ja, man muss sich gelegentlich streiten. Aber ist das wirklich die Botschaft, die uns Andre Martens sendet?

Nein, er bringt etwas anderes ein:

Wenn beide Partner dagegen ein growth mindset einnehmen, werden sie unter einer Partnerschaft etwas völlig anderes verstehen … sie werden überzeugt sein, dass bei aller gebotenen Akzeptanz des Partners immer auch Wachstums- und Beziehungsarbeit dazugehört, auch wenn diese teilweise schwierig sein mag. … Die Bereitschaft zu persönlichem Wachstum und Wandel ist die Geheimzutat für eine wirklich glückliche Beziehung. Ein growth mindset kann uns dabei enorm helfen.

Ja, Paare können aus der gemeinsamen Entwicklung Vorteile haben – nicht ganz neu, oder?

Das heißt nun auch nichts anderes als: Menschen, die sich entwickeln, und dabei aufeinander zugehen, haben enorme Vorteile. Auf der anderen Seite wäre allerdings zu vermerken: Wenn sie sich nur entwickeln und dabei nicht aufeinander zugehen, sondern sich auseinanderentwickeln, dann wird nichts aus dem Glück. „Wachstumsarbeit“ ist eben nicht gleich „Beziehungsarbeit“.

„Wachstumsarbeit“? „Beziehungsarbeit?“ Ein „Growth Mindset“? So recht will das alles nicht in den Alltag passen, den ein Ehepaar unter Umständen 40 Jahre und noch länger miteinander teilt.

Und um mal dies zu sagen: Ich kenne keinen wirklich glücklichen Einzelmenschen, der ständig „an sich arbeitet“. Und auch kein entsprechendes Paar.

Ich las dies alles in “Beziehungsweise” und zitierte auszugsweise daraus. Beachten Sie bitte das Trompetensolo, falls Sie wirklich das Video ansehen.

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