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Vanille oder Chili? Wie soll sich die Lust anfühlen?

Wilde, animalische Verführerin?

Wilde, animalische Verführerin?

Als Autor, der seine Grenzen recht weit gesteckt hat, ist das Gebiet der Liebe wahrhaftig „ein weites Feld.“ Manche meiner Leserinnen und Leser würden gerne sehen, wenn ich Ihnen „die Liebe schön schreiben“ würde. Dann müsste ich etwa sagen(1):

Verliere nie die Hoffnung, deine Wünsche nach einer romantischen Liebe zu erfüllen, die von dem unendlichen Wohlgefühl geprägt sind, geliebt zu werden. Die Sexualität ist eine Folge der Liebe – du musst dir darüber keine Gedanken machen.

Ein Teil dessen, was ich Ihnen dann schreiben würde, wäre schön zu lesen, aber leider völlig verlogen. Denn die „romantische Liebe“ ist diejenige Form der Liebe, in der das Verlangen am größten ist.

Männer aufheizen – Thema der Frauenzeitschriften

Die andere Seite, die vor allem in modernen Frauen-Magazinen sehr verbreitet ist, besteht neuerdings darin, den Sex „aufzuspicen“. Der Grund liegt in der Tatsache, dass die Lust in heutigen Beziehungen sehr schnell dem Alltag zum Opfer fällt, und zwar bevor sich die Liebe voll entwickeln konnte. Die Lust am nackten Körper und seinem Geruch, der Kontakt mit der Haut und der Zungenkuss reichen dann nicht mehr als Stimulanz. Progressive Frauenzeitschriften fordern dann die Frau auf, ihren Mann aktiv zu verführen, wie zum Beispiel in „Woman.at“ (2):

Schub’s deinen Kerl im Stiegenhaus (3) in eine dunkle Ecke und knöpf’ seine Hosen auf … Diese Momente, in denen wir uns vor lauter Lust kaum unter Kontrolle haben, bleiben dem beglückten Mann noch lange im Gedächtnis.

Solche Vorschläge gehen einher mit den üblicherweise verdächtigten Wegen, Männer aufzuheizen: Verführungen, „Schmutzige Worte“, Soft-Bondage, frivole Wäsche, Positionswechsel, Voyeurismus oder Rollenspiele.

Die Realität und die Neugier auf die wilde Lust

Doch ob „in die Jahre gekommene Paare“ oder partnersuchende Singles: Die Sexualität ist immer ein Thema – vom ersten Blick beim ersten Date bis zur bangen Frage: „Sag mal, hast du eigentlich überhaupt keine Lust mehr auf mich?“

Indessen bewegt Autoren ja nicht nur die Frage „was ist gut und wichtig für die Menschen?“ sondern vor allem eine ganz andere Frage: „Macht mein Thema die Leser(innen) so neugierig, dass sie weiterlesen?“ Und das ist leider mit den meisten Themen aus der Schublade „Vanille“ nicht zu leisten. Gelobt sei, was „scharfmacht“, weil es verschlungen wird – vor allem von neugieren und lusterfüllten Leserinnen. Für Frauen also, auf die „oversext and underfucked“ durchaus eine bekannte Lebenskomponente ist, auch wenn sie dies vielleicht „vornehmer“ ausdrücken würden: „Ach, ich möchte meinen Körper doch häufiger spüren“.

Also – Chili gefällig für Ihr Sexleben?

Der Wunsch nach „schärferen Gewürzen“ paart sich mit der Angst davor, die eigene Wollust öffentlich zuzugeben. Vor allem für Frauen ist dies unmöglich, weil sie dadurch unter „Schlampenverdacht“ kommen könnten. Also schieben die meisten Frauen öffentliche ein Schubkarren voller Wohlanstand vor sich her, die simulieren soll: „Schau ich bin eine edelmütige, liebevolle Partnerin“. Die „scharfen Sachen“ bleiben im Geheimfach des Handtäschchens oder in der Wäscheschublade verborgen. Es ist bezeichnend, dass „echt scharfe“ Bücher für gebildete Mittelstandfrauen, auch „Mutti-Pornos“ genannt, überwiegend über elektronische Medien vermarktet werden.

Müde Fleischeslust einfach scharf würzen?

Machen wir uns nichts vor: „Richtiger Sex“ ist nur schwer „aufzuspicen“, weil die Person, die ihn zelebriert, sich dadurch nicht verändert. Und das mag der Grund sein, warum so viel über die Verbesserung von Sex durch scharfe Beigaben gesprochen und geschrieben wird. Denn darüber zu fantasieren, wie man seinen lahmen Hauskater zum wilden Tigermännchen machen könnte, ist jeder Frau gegeben. Die Ausführung scheitert allerdings oft am Talent – und das gilt umgekehrt genau so. Ein Mann kann zwar den Hengst spielen, aber um „ihr den Hengst zu machen, muss er schon testosteronangereichertes Hengstblut in den Adern haben – bildlich gesprochen.

Sehen Sie – und so fragt sich auch unsere Redaktion:Sollen wir etwas schreiben, was Ihre „realen Liebes- und Beziehungsleben“ nützt oder etwas, um ihre Fantasie darüber anzuheizen?

Ihre Antwort wäre hilfreich.

(1) Fiktives Zitat, von Wortwechsler.
(2) Zitat aus “woman.at”.
(3) Österreichisch für “Treppenhaus”.

http://www.woman.at/a/sex-tipps/ueberrasche

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