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Gegensätze ziehen sich an – Volksmund, Wissenschaft und Unfug

Denkfehler: Gegensätze

Gegensätze ziehen sich an – so spricht der Volksmund. Im Grunde genommen meint er gar keine Gegensätze, sondern entdeckt, wie Menschen mit durchaus unterschiedlichen, teils sogar widersprüchlichen Eigenschaften Beziehungen eingehen.

Man muss sich den Unsinn einmal vergegenwärtigen: Würden sich Gegensätze anziehen, würden alle Straßenmädchen Millionäre heiraten, und all die jungen Mädchen, die bis zum Hals in der Pampe stecken, ritterliche Kerle mit stolz geschwellter Brust. Umgekehrt wäre der Student der Theologie froh, wenn er eine Hure heiraten dürfte und der tollpatschige Arbeitslose, der bereits in drei Berufen versagt hat, eine Studienrätin.

Gegensätze sind oft gar keine

Warum sagt der Volksmund nun aber: „Gegensätze ziehen sich an“? Vor allem, weil er nicht genau genug hinschaut, was wirklich passiert:

1. Es handelt sich gar nicht um Gegensätze, sondern um Eigenschaften, die einander durchaus ergänzen. Das ist der Normalfall und hat nichts mit „Gegensätzen“ zu tun.
2. Es handelt sich kaum um Gegensätze, sondern um Eigenschaften, die den einen Partner vom anderen abhängig machen. Das ist sehr gefährlich und der Grund dafür, warum manche Menschen glauben, „immer an den Falschen“ zu geraten.
3. Es geht wirklich um Gegensätze, die beide in ständiger Erregung halten – auch in sexueller Erregung. Klingt diese nach einer Weile ab, wird auch die Anziehungskraft schwächer.

Oberflächliche Ideologieanwendungen: Psychotests

Das „nicht genau Hinsehen“ ist durchaus üblich – auch unter den angeblich kompetenten „Wissenschaftlern“. Nach der gängigsten Lehre der Psychologie, die praktisch in jedem der sogenannten Persönlichkeitstests enthalten ist, unterscheiden sich Menschen überwiegend danach, ob sie extravertiert oder introvertiert sind. Diese Behauptung konnte niemals bewiesen werden, und obgleich sie damit zur bloßen Meinung abgewertet wird, ist sie doch Bestandteil der üblichen Psychotests. Nehmen wir ein Beispiel aus den menschlichen Beziehungen, so wird deutlich, warum „Extravertiertheit“ und „Introvertiertheit“ einander nicht ausschließen, und warum ihr Wert zur Beurteilung von Paarbeziehungen sehr variabel ist.

Gegensätze im Psycho-Rummel, keine Gegensätze in Beziehungen

Wenn er „eher“ extravertiert ist und sie „eher“ introvertiert, so heißt dies noch lange nicht, dass sie einander nicht ergänzen können: Sie mäßigt ihn, wenn er sich zu sehr nach vorne wagt, und er ermuntert sie, etwas weiter aus sich herauszugehen. Das ist kein schlechtes Verhältnis in einer Ehe. Hätte man genau hingesehen, so wüsste man, dass beide ihr Verhalten nicht als „gegensätzlich“ erleben.

Auf die Sichtweise der „Gegensätze“ kommt es an

Ein weiteres Problem der skeptischen Freunde des Paares könnte darin liegen, dass sie ihre Freunde als Einzelpersonen kennenlernten, die sich ihnen oder der Öffentlichkeit gegenüber in einer ganz bestimmten Weise verhielten, die sie als „Haupteigenschaft“ wahrnahmen. Das bedeutet aber nicht, dass dies das angeblich „gegensätzliche“ Paar genauso empfindet. Beispielsweise ergänzen sich der Kreative und die Pragmatikerin in ganz hervorragender Weise, sobald beide erkennen, dass sie einander in ihrer Unterschiedlichkeit nützen. Tatsächlich geht es oft gar nicht um die (bei Weitem überschätzten) Persönlichkeitseigenschaften, sondern darum: „Kann ich etwas in die Beziehung einringen, was dir nützt?“

Gegensätze ziehen sich an – eine lächerliche Vereinfachung

Gegensätze ziehen sich an? Solche Sätze sind lächerlich. Wir leben alle mit Menschen, die ähnliche Eigenschaften haben und solche, die sich deutlich unterscheiden, und beides kann uns nützen. Wirklich in acht nehmen müssen sich nur Menschen, die immer wieder „an den Falschen“ geraten, zum Beispiel Helfer- oder Retterpersönlichkeiten. Zudem bleibt festzuhalten: Wer ständige sexuelle Erregung mit einem Menschen sucht, der darin eine Meisterschaft erlangt hat, wird am Ende fast immer dem Konkurrenzkampf zum Opfer fallen – oder schließlich erkennen, dass Sex nicht alles ist.

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