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Jeder ist seines Glückes Schmied – auch bei der Partnersuche

Wer in Deutschland heute sagt, jeder sei seines Glückes Schmied, der muss mit dem unberechtigten, aber gleichwohl geharnischten Protest jener selbst ernannten Gerechtigkeitskrieger rechnen, die uns die Ausweglosigkeit gewisser Bevölkerungsgruppen vorhalten. Er mag auch den berechtigten Protest jener fürchten, die tatsächlich in nahezu ausweglosen Lagen sind, und die trotz bester Schmiedefeuer kein gediegenes Werk zustande brachten. Doch neuerdings kommt ein recht merkwürdiger Protest hinzu, der in etwas so klingt:

«Was uns die neuen Motivatoren ständig zurufen, ist eine versteckte Drohung: „Wenn du es nicht schaffst, ist es deine Schuld“ »

Hier liegt nun fürwahr des Pudels Kern: Der Unterschied zwischen „es ist deine Schuld“ oder „übernimm Verantwortung für das, was du bist“. Wer glaubt, sich zu immer höheren Ästen aufschwingen zu müssen, macht sich möglicherweise lediglich zum Affen und versetzt sich selbst in eine falschverstandene „Schuld“ daran. Wer aber seine Grenzen kennt und von dem Ast aus sein Leben gestaltet, auf dem er zu leben versteht, der handelt verantwortlich.

„Schuld“ setzt immer Voraus, dass man etwas getan oder unterlassen hat, was man bei maßvollem Umgang mit den eigenen Möglichkeiten auf diese Art und Wiese nicht getan hätte. Deshalb ist es nun wahrhaftig nicht die „Schuld“ des Einzelnen, wenn er innerhalb seiner Grenzen lebt. Oder, um im Bild zu bleiben: Wer Hufschmied ist und damit zufrieden, der findet kein größeres Glück darin, Goldschmied zu werden.

Bei der Partnerwahl liegt die Sache anderd, und doch ähnlich. Wir sagen leichthin „es ist ihre Schuld, wenn sie immer auf die falschen Männer trifft“ und wir meinen damit: „Sie sollte ihre Verantwortung dafür erkennen, immer wieder auf die falschen Männer zu treffen“. Nehmen wir dazu zwei Beispiele:

Eine Frau um 30 gerät immer wieder an Männer, die tollen Sex mit ihr haben und ihr auch eine erträgliche Zukunft versprechen, sie aber nach durchschnittlich sechs Monaten wieder hinauswerfen, wonach sie sich jedes Mal bei ihren Freundinnen ausweint – immer sind die „Scheißkerle“ schuld.

Dies ist ein typisches Beispiel für „sie sollte Verantwortung für ihre Beziehung übernehmen lernen“. Stellen wir nun das zweite Beispiel dagegen:

Eine Frau um 50 sucht sich gezielt jugendliche Liebhaber, hat mit diesen sechs Monate lang heftigen Sex und rechnet damit, dass die Beziehung nach sechs Monaten endet, selbst wenn sie hofft, dass dies nicht eintreten möge.

Im Beispiel hat die Frau Verantwortung übernommen. Sie hofft zwar auf ein günstigeres Schicksal, rechnet aber mit irdischen Gegebenheiten.

Wer seines Glückes Schmied werden will, muss seine Möglichkeiten und Grenzen kennen, wozu im Laufe des Lebens auch manchmal nötig ist, diese Grenzen ein wenig zu überschreiten. Was man mit 18 Jahren noch nicht kann, ist vielleicht mit 38 möglich oder mit 58 – wir verändern uns im Leben zumeist mehr, als wir in der Jugend für möglich heilten.

Auf die Partnerschaft bezogen heißt dies: Man muss wissen, wie, wo und mit wem man leben will und sich an diesem Ziel orientieren. Es geht nicht darum, den besten Mann oder die beste Frau zu finden – das glauben nur ein paar Werbetexter und überkandidelte Autoren. Es geht vielmehr darum, einen Partner zu finden, der einen so akzeptiert, wie man ist, und bei dem man sich wohlfühlt.

Es ist uns Menschen eigen, zu irren, und wir dürfen selbstverständlich auch scheitern. Nur diejenigen, die ständig irren und ständig scheitern, denen sollten wir entgegenrufen: Blick in den Spiegel, schick dein Hirn in die Mauser und lass dir endlich mal das Fell waschen. Liebe Freundinnen und Freunde: Es ist nicht Ihre Schuld, wenn Sie im Leben scheitern – aber es liegt in Ihrem Verantwortungsbereich, dieses Scheitern nach Kräften einzudämmen. Denn immer noch gilt: Jeder ist seines Glückes Schmied.

Zitat aus der SZ vom 10/11. Juli (Print)

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