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Wie aktuell sind Partnertests eigentlich?

Im Grund genommen sind Partnertests, auch Partnerübereinstimmungstests genannt, alles andere als modern: Die Wurzeln der sogenannten „Psychometrie“, reichen bis in die 1930er Jahre zurück, erste Anwendungen gab es in den 1940er Jahren und dann ging die Sache munter voran. Der 16-Faktoren-Persönlichkeitstest war in den 1940er Jahren der Erste. Allerdings hätten die Psychologen gerne einen Test gehabt, der tatsächlich auf die Väter der Psychoanalyse zurückging, um wissenschaftshistorisch glaubwürdiger zu sein. Nach längeren Suchen wurde man bei Carl Gustav Jung fündig, der sich bereist um die Typisierung der Persönlichkeit bemüht hatte. Deshalb setzten Katharine Cook Briggs und ihre Tochter, Isabel Briggs Myers, auf Carl Gustav Jung, aus dessen Veröffentlichungen sie nach Eigenangaben in jahrelanger Arbeit (angeblich begann man mitten im Zweiten Weltkrieg) 1962 einen brauchbaren Test veröffentlichten. Etwa zur gleichen Zeit machten sich Ernest Tupes and Raymond Christal, daran, den 16-Faktoren-Persönlichkeitsest auf wenige Faktoren zu reduzieren. Nämlich die „Big Five“ – weitere Reduktionen, die hauptsächlich aus Vereinfachungsgründen für sogenannte „Psychotests“ in Magazinen und Publikumszeitschriften verwendet wurden, waren dann die „Big Four“ und die „Big Three“.

Heute ist der „Fünffaktorentest“ oder „Big Five“ Stand der Wissenschaft – was leider gar nichts bedeutet, denn die Frage, ob er die Persönlichkeitsmerkmale tatsächlich abdeckt oder nur ein Grobraster der Persönlichkeit für einige wenige Anwendungen gibt, wurde niemals schlüssig beantwortet.

Man muss, auch trotz gegenteiliger Behauptungen von einzelnen Partnervermittlern, davon ausgehen, dass die „Big Five“ und die davon ausgegangenen Abwandlungen heute fast überall verwendet werden. Wenn jemand Myers-Briggs verwendet, schreibt er dies zumeist auch deutlich in die Ankündigung oder behauptet, dass die Basis „psychologische Grundlagen von Carl Gustav Jung“ seien – das ist eine übliche Verschleierung dafür, dass der Myers-Briggs Test verwendet wird.

Generell lässt sich also sagen: Es gibt kein Wasser außer Wasser, und sie kochen alle damit.

Nun klingt dies alles nicht sehr modern, und da liegt der Hase im Pfeffer: Die moderne Zeit verlangt von den Menschen eine gewisse Rollenflexibilität und damit an die jeweilige Rolle gebundene Eigenschaften – daneben aber haben sie auch noch verborgene Persönlichkeitswerte, die für ihre Beziehungen wichtig sind. Bezieht sich ein Test also nicht ausdrücklich auf Werte innerhalb der Beziehung, so könnte er relativ unbedeutend sein. Tests, die ihren Ursprung vor etwa 50 Jahren hatten, können schon deshalb veraltet sein, weil sie den gesellschaftlichen Wandel unberücksichtigt lassen, der gerade für das Gelingen von Partnerschaften unerlässlich ist: Von 1946 bis etwa 1970 machte sich noch kaum ein Deutscher sorgen um eine gleichberechtigte Partnerschaft, in der beide ihr Verhältnis zu Beruf, Partnerschaft und Familie sorgfältig abwägen mussten – warum hätte sich damals ein Psychologe Sorgen darüber machen sollen?

Zugunsten der Partnerübereinstimmungstests spricht, dass sie einen zweiten, wesentlich wichtigeren Teil haben: das Matching. Dieser Teil wird oft übersehen, und wie es scheint, hat man hier in den letzten Jahrzehnten gehörig nachgebessert. Der alte Streit um „Gleich-und-Gleich“ oder „Gegensätze“ wurde auf vernünftige, differenzierte Paarmeter reduziert, die eher auf „Ergänzen“ beruhen als auch die beiden genannten Gegensätze – aber das ist nur die Spitze des Eisbergs. Im Hintergrund soll noch viel mehr passiert sein, zum Beispiel sollen viele pragmatische Faktoren in Beziehungen inzwischen höher bewertet worden sein als „psychische Übereinstimmungen“.

So kann man nur vermuten, dass inzwischen namhafte Veränderungen beim „Matching“ stattgefunden haben, die aber von den Unternehmen bewusst nicht kommuniziert werden. Man will uns offenbar vermitteln, dass sie fest stehen wie ein Felsen in der Brandung. Nach meiner Auffassung wäre es sinnvoller, die Unternehmen würden sagen: „Ja, wir sind lernfähig, und wir haben die Tests in folgenden Punkten angepasst …“ – schließlich sind wir alle aufgefordert, täglich dazu zu lernen und werden aufgefordert, uns nicht auf dem Wissen und Können der 1960er Jahre ausruhen.

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